Erik träumt: „Der schwebende ÖPNV und Lieferverkehr“

Am Dienstag, den 14. April 2015 wird im Rahmen des Planungs- und Bauausschusses unter dem Tagesordnungspunkt 3 der aktuelle Sachstandsbericht „ÖPNV Hindenburgstraße“ behandelt werden. Eine Untersuchung der alternativen Buserschließung im Bereich der Hindenburgstraße durch ein externes Ingenieurbüro ergibt: „alternative Transportssysteme gegenüber einem Bussystem [besitzen] erhebliche Nachteile [ ] (Berichtsvorlage 657/IX, Seite 2)“. Die CDU/SPD-Fusion hat darauf hin einen revolutionären Antrag als Tischvorlage gebastelt. Zielsetzung: alles bleibt zunächst wie es ist aber vielleicht kann mal geprüft werden, ob einzelne Buslinien z. B. durch die Steinmetzstraßen umgelenkt werden können – jedoch soll die Prüfung von alternativen Transportsystemen nicht weiter verfolgt werden. Der Fall in die Alternativitätslosigkeit kann schon frustrierend sein, aber wer sagt denn, dass mensch nicht ein wenig träumen (oder spinnen – je nach Blickwinkel) darf?

„Zu hohe Investitions- und Betriebskosten, die Trennwirkung im Straßenraum und Schwierigkeiten im Genehmigungsverfahren (Berichtsvorlage 657/IX, Seite 2) .“ Alles Gründe, warum eine nähere Betrachtung von alternativen Transportsystem nicht weiter verfolgt worden ist, sondern nur das betrachtet wurde, was wir ja im Grunde schon kennen: der Busverkehr. Aber welche Alternativen wurden überhaupt betrachtet? Gemäß der Vorlage wurden Straßenbahn, Fahrsteige (Laufband) und Cable-Car (Kabelstraßenbahn) in groben Augenschein genommen.

Drei Punkte gibt es in dem Zusammenhang m. E. zu kritisieren:

  1. Die kleine Auswahl an alternativen Transportmitteln;
  2. Entscheidungen mit entsprechenden Konsequenzen, die sich ergeben, ohne dass überhaupt über den Sachstand diskutiert worden ist – denn zum einen haben wir bereits jetzt einen „Alternativlosantrag“ der GroKo vorliegen, zum Anderen ist der Weg für die Verwaltung auch schon glasklar und diese präsentiert daher in der selben Sitzung eine Beratungsvorlage unter TOP 4 mit dem Ziel den Oberbau von Straßenabschnitten der Hindenburgstraße zwischen Bahnhof und Sonnenhausplatz unter Berücksichtigung des weiteren Busverkehrs zu ändern;
  3. der eingeschränkte Blickwinkel – gerade Verkehrsplanung muss doch stadtweit betrachtet werden und kann sich nicht nur auf den Bereich Hindenburgstraße beschränken. Auch wenn das primäre Ziel sein soll, eine Verbesserung in der Innenstadt auszuloten und der Auftrag der Politik „nur“ „Hindenburgstraße“ lautet, müssen doch auch sekundär die Konsequenzen auf den weiteren Außenverkehr (Stadt und Außenbezirke) betrachtet und eingebunden werden;

Ein weiterer Punkt den mensch in einer stadtweiten Betrachtung berücksichtigen könnte wäre das LKW-Routenkonzept, was ich aber bewusst nicht kritisiere, da hierbei zunächst und berechtigterweise die Frage aufgeworfen werden darf, was denn das LKW-Routenkonzept überhaupt mit dem ÖPNV zu tun haben soll.

Zur Beantwortung dieser Frage muss ich nun leider etwas ausholen: Wie Bund und Länder unterliegen auch die Kommunen bestimmten EU-Entscheidungen – spätestens dann, wenn diese in deutsches Recht übergehen. Aktuell erleben wir dies in Mönchengladbach z. B. durch den Lärmaktionsplan. Mit der „Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Bewertung und die Bekämpfung von Umgebungslärm” vom 18.07.2002 und dem Übergang in das deutsche Recht durch einer Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) wurde dieser zu einer gesetzlichen Pflichtaufgabe der Kommune. Als Folge wurden Temporeduzierungen in Mönchengladbach durchgeführt, ein Schallschutzfensterprogramm aufgestellt und auch LKW-Verbote für bestimmte Straßenzüge aufgestellt.

Da vor Jahrzehnten niemand damit gerechnet hat, dass es irgendwann mal zu Nutzungseinschränkungen städtischer Straßen durch LKW kommen wird, war der LKW-Transport unter Berücksichtigung von ökologischen Aspekten kaum ein Thema bei den Standortentscheidung von Gewerbe und Industrie. Dadurch entsteht nun das Problem, dass bei einer absoluten Umsetzung von den EU-Richtlinien, Betriebe nicht mehr am LKW-Netz angeschlossen sind und somit Waren und Materialien in großen Mengen nicht an- und ausgeliefert werden können.

Unter Betrachtung aller Aspekte, welche die Ausgangslage gewesen sind, den ÖPNV-Transport auf der Hindenburgstraße „checken“ zu lassen plus die vorangetragenen Kritikpunkte meinerseits, was würde ich tun, wenn ich absoluten finanziellen Spielraum und freien Gestaltungseinfluss auf die gegebene Straßenführung hätte? Das ist eine Frage die mich schon lange beschäftigt, meine Phantasie beflügelt und folgende Aspekte einbezieht.

Die Ausgangslage:

Was wollen wir eigentlich?

  • Die Hindenburgstraße soll noch mehr den Charakter einer Einkaufsstraße haben. In der Konsequenz muss der Verkehr reduziert werden.
  • Wir wollen ökologischen Verkehr.

Eine Reduzierung des Anlieferungsverkehrs ist nicht möglich, da die meisten Geschäfte nur über die Hindenburgstraße beliefert werden können. Jedoch kann mensch diesen nur zu bestimmten Zeiten zulassen und im Rahmen der Spitzenzeiten von Fußgängernutzung vom Straßenbild fernhalten. Wir LINKE. fordern darüber hinaus die uneingeschränkte Öffnung der Hindenburgstraße für den Fahrradverkehr. Das bedeutet in der Konsequenz, dass wir eine Fahrbahn auf der Hindenburgstraße weiter benötigen. Diese kann mensch jedoch verkleinern bzw. einengen, indem mensch den Verkehrsfluss nur in eine Richtung steuert. Somit können auf der Hindenburgstraße natürlich auch nur Personen in eine Richtung über den ÖPNV befördert werden. Der Rücktransport würde dann über die Steinmetzstraße laufen – ein realistisches Modell, welches auch weiter seitens der Verwaltung geprüft werden soll – falls dem CDU/SPD Antrag zugestimmt wird (wovon mensch aufgrund der Mehrheitsverhältnisse einfach mal von ausgehen darf).

Was aber wenn der ÖPNV-Verkehr komplett von der Straße verschwinden würde und über eine höhere Ebene zum Zuge käme? – ein Personentransportmittel in Form einer Magnetschwebebahn, einer Véhicule automatique léger (VAL) oder einer anderen Art von H-Bahn (bzw. Skytrain), die beide Transportrichtungen entlang der Hindenburgstraße abdeckt und  darunter nur eine einspurige Straße benötigt und zusätzliche Grünzüge erlaubt?

Magnetschwebebahn

Magnetschwebebahn

Utopie? Unrealistisch? Sowohl vom finanziellen Standpunkt als auch von der Umsetzung? Möglicherweise, deswegen darf ja an dieser Stelle auch einfach mal geträumt werden. Doch einem Punkt würde ich uneingeschränkt zustimmen: „das lohnt sich doch gar nicht für eine (Hindenburg-) straße!“ und deswegen müsste meiner Meinung nach auch das Thema stadtweit betrachtet werden.

Die Strecke:

Warum nur die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Alten Markt betrachten? Mönchengladbach hat eine sehr außergewöhnliche Straßenverbindung zwischen dem Flughafen in Neuwerk und dem Borussiastadion. Über Krefelder- Hindenburg- (u. a. City Ost Neubaugelände) und Aachenerstraße sind diese beiden Stadtmerkmale auf eine Distanz von ca. 11 Kilometern über den Hauptbahnhof, dem Minto und der Santander-Hauptverwaltung miteinander verbunden.

Mit der richtigen Planung könnten verschiedene Synergieeffekte den Erfolg dieses Transportmittels ausmachen. Zu nennen sei u. a. der Transport zwischen Fußballfans zwischen Hauptbahnhof und Stadion (die Busverbindungen Rheydt und Nordpark würden sich erübrigen), Transport von Berufstätigen zur Santander-Hauptverwaltung und zum Nordpark. Der Transport vom Nordpark aus zum Flughafen.

Last but not least – eine Lösung zum LKW-Routenkonzept:

Wenn der Gedanke an einer Schwebebahn zwischen Nordpark und Flughafen (o. ä.) nicht schon spektakulär und utopisch genug ist, so möchte ich noch einen drauf setzen. Angenommen es würde nicht nur eine Schiene für den ÖPNV (als Hochbahn) konzipiert werden sondern noch eine weitere darunter mit kleineren Rapid-Transit-Modulen, die zum Frachttransport für Gewebe und Industrie fungieren, dann könnte einerseits der Kfz-Anlieferungsverkehr auf der Hindenburgstraße ersetzt werden, anderseits würde sich eine Lösung für das LKW-Routenkonzept auftun.

Masdar City

Masdar City

Mit einem Warendepotzentrum mit entsprechender Autobahnanbindung am Stadtrand könnte ein Verteilzentrum etabliert werden von dem aus auf ökologische Weise Rohstoffe und Warenein-/ausgänge an die Gewerbe- und Industriestandorte weitergeleitet werden würden. Als städtischer Eigenbetrieb kann die Stadt dadurch Einnahmen generieren.

Randbemerkung Ökologie:

Wenn bei den geschilderten Transportideen die Ökologie ein äußerst bedeutender Anspruch darstellt, so darf natürlich die Einspeisung von erneuerbaren Energien nicht fehlen. Solar- bzw. Photovoltaik ist ein absolutes Muss!

Alles nur ein Traum?

Wünschen darf mensch sich viel und träumen vermutlich noch mehr. Kann ein solches Projekt in Mönchengladbach umgesetzt werden? In der Theorie ist es durchaus möglich, da derartige Transportsysteme bei einer mittelgroßen Stadt durchaus umsetzbar sind – finanziell könnten vielleicht auch ansässige Unternehmen, die eine Bereicherung in diesem Projekt sehen würden, als Teilinvestoren bzw. Teilsponsoren in Aktion treten. Dennoch verbliebe ein hoher Eigenanteil, den die Stadt selber aufbringen müsste. Doch wie würde es mit dem Genehmigungsverfahren aussehen oder mit der Umsetzung entlang der Aachenerstraße sowie der Krefelderstraße im Bezug der Straßenbreite, da dort schließlich nicht mal eben Fahrbahnen verengt werden können.

In meiner SimCity-Stadt „Erikpolis“ gibt es übrigens auch keine Schwebebahn, da dieses Verkehrselement schlicht nicht angeboten wird, also musste ich meinen ökologischen ÖPNV in gängigen Schienenverkehr umsetzen.  Ein Minto gibt es da übrigens auch nicht. Vermutlich einer der Gründe, warum ich mich nur über niedrige, solide Einnahmen erfreuen kann – aber aufgrund meines guten ÖPNV und den vielen Grünstreifen bin ich wenigstens ein sehr beliebter Bürgermeister. 😉

       

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