Gedenkschilder für den Gladbach

Seit einiger Zeit sind sie in der Stadt präsent: blaue Schilder mit der in weißer Schrift gehaltenen Aufschrift „Gladbach“. Weiterhin befindet sich unter dem Namen noch ein Zeichen, welches einen Fluss symbolisieren soll.

Mit zwanzig dieser Straßenschilder, die in Mönchengladbach angebracht worden sind, soll auf den Verlauf des Gladbachs aufmerksam gemacht werde, der noch als Rinnsal in einem Rohr tief unter der Erde dahinplätschert und nur im Stadtteil Lürrip oberirdisch weiter fließen kann.

Zunächst die gute Nachricht: die von einer Künstlergruppe erstellte und umgesetzte Idee kostete der Stadt keinen Cent, da eine private Initiative für Kunst im öffentlichen Raum die Kosten von ca. 5000 EUR getragen hat. Ganz uneigennützig war die Idee jedoch nicht: So sollten die Schilder doch ursprünglich als PR Aktion für die Vermarktung eines neuen Buches aufgestellt werden, das Gladbach und seine Mühlen thematisiert.

Die Bezirksvertretungen freuten sich über die für die Stadt kostenlose Idee, mit der dem Gladbach als Teil der Stadtgeschichte ein Gedenkschild vermacht werden sollte und unterstützte auf euphorische Weise derartige ‚revolutionäre‘ Kunst in einem Land, indem schon über Jahrzehnte über das Thema Schilderwald diskutiert wird.

DIE LINKE. Mönchengladbach erklärt, dass nicht alle Maßnahmen zur Förderung der Kultur für gut befunden werden sollten, nur weil sie der Stadt nichts kosten. Explizit das Thema Gladbach birgt viele Alternativen, mit denen man auf ökologische und gesellschaftlich nützliche Weise dem Gladbach nicht nur ein Denkmal setzen, sondern ein Stück Stadtgeschichte wieder ins Bürgerleben integrieren kann.

Das Gelände des ehemaligen Wellenbades an der Lüpertzender Straße, das im Juli 2001 abgebrannt ist, ist ein idealer Standort, den Gladbach auch in Zentrumsnähe wieder frei zu legen. Angesiedelt in der Nähe der alten Stadtmauer, dem Abteigarten und der Musikschule, wäre es ein passendes Bindeglied für Kultur, Kunst und Geschichte dieser Stadt. So könnten wir einen Fluss, der dieser Stadt eine Identität verleiht in unser Leben einbinden ohne ihm unter der Erde schlicht gedenken zu müssen.

Das Gelände des ehemaligen Wellenbades in Mönchengladbach an der Lüpertzender Straße liegt seit nun fast acht Jahren brach. Eine Umzäunung verhindert das Betreten des Geländes. Nur noch die zwei gegenüber liegenden Brückenköpfe erinnern daran, dass dort einmal eine gesellschaftliche Nutzung stattgefunden hat.

Die Stadt Mönchengladbach äußerte sich bisher nicht zu einem Nutzen des Geländes. Eine Bebauung von Wohn- und Geschäftsgebäuden steht derzeit nicht in der Diskussion, eine Vermarktung durch die EWMG erscheint mutmaßlich unwirtschaftlich.

DIE LINKE. Mönchengladbach fordert, auch in Zukunft von einer solchen Bebauung abzusehen und das Gelände stattdessen für Kultur, Kunst und die Darstellung der Stadtgeschichte zu verwenden. Maßnahmen könnten die Freilegung des Gladbachs, die Anlage von Grünflächen und die Gestaltung von ökologisch vertretbaren Kunstobjekten sein.

Erik Jansen für „DIE LINKE. Zeitung MG-Stadt“

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„Was sollen wir mit unserem JHQ machen?“

… lautete die Frage des Vorsitzenden der Bezirksvertretung Rheindahlen, die am Dienstag, den 17. März 2009 öffentlich tagte.
Unter dem Tagesordnungspunkt Fünf „Vorbereitung der Konversion des Joint Headquarters (JHQ)“ sollte ein mündlicher Bericht seitens der Verwaltung Aufschluss darüber geben, wie man mit dem rund 380 Hektar großen Gelände und den vorhandenen Gebäuden nach dem Abzug der englischen Truppen (2014) umgehen will.

Als im August 1952 das Gelände des südwestlich gelegenen Rheindahlener Waldes, trotz der Bürgerklagen über den Verlust des Waldes und der zunehmenden Militärpräsens, von den Briten beschlagnahmt wurde, sind 198 Millionen DM für Baumaßnahmen und Infrastruktur ausgegeben worden – Stadt und Wirtschaft unterstützten das Vorhaben in der Hoffnung, Aufträge zu erlangen.

Geld, das für Einrichtungen, Anlagen und Gebäude aufgebracht worden ist, welche heute einen enormen Sanierungsbedarf aufweisen. Ein hoher Kostenfaktor, den zum heutigen Stand Stadt, Land und Bund vermutlich nicht tragen wollen und werden. In diesem Fall würden Gebäude und Grundstücke unter der staatseigenen Immobiliengesellschaft zu günstigen Konditionen an Privatleute verkauft werden. Ein verlockendes Angebot für Geringverdiener, was jedoch auch die Gefahr der Bildung von sozialen Brennpunkten mit sich zieht. Ein Szenario, welches in anderen Kommunen schon vorgekommen ist.

Eine Entscheidung wird wohl in absehbarer Zeit nicht getroffen werden können, da noch zu viele Daten ungenau sind und bestimmte Faktoren erst noch geklärt werden müssen, wie z.B. die Frage, wer die Kosten für die Altlastenbeseitung tragen muss. Auch wenn nach dem Bericht der Verwaltung der jetzige Eigentümer dafür aufzukommen habe und nicht die Stadt die Zeche zahlen soll ist es nicht sicher, ob mit einer Zahlung aus Großbritannien gerechnet werden kann.
Bis alle Gegebenheiten ausreichend geklärt sind, wird noch viel Zeit vergehen – genug Zeit, um sich über kreative und gemeinnützige Alternativen Gedanken machen zu können.

Wir, DIE LINKE. halten unsere Forderung aufrecht, weiterhin eine positive Entwicklung des Geländes anzustreben. Das bedeutet:

– Keine weitere militärische Nutzung
– Keine Verrottung des Geländes
– Keine Bildung von sozialen Brennpunkten, nur damit Bund, Land und Stadt schnelles Geld verdienen.

Stattdessen wollen wir, dass das Gelände überwiegend in den Urzustand versetzt wird, um als Naherholungsgebiet den Bürgern zu Gute zu kommen.
In solch einem Naherholungsgebiet könnte dann auch ein Freiraum angesiedelt werden, der die Möglichkeit der Verbindung von Kunst und Kultur bietet.
Bei ca. 1.800 qm täglicher Neuversiegelung in unserer Stadt ist es an der Zeit, dass in Mönchengladbach Boden endlich entsiegelt wird. Hier bietet sich eine gute Gelegenheit.

Die Beseitigung der Altlasten und die damit verbundenen Kosten sollen nach über 50jähriger Nutzung die Verursacher tragen.

Erik Jansen für „DIE LINKE. Zeitung MG-Stadt“

Die vollständige Zeitungsausgabe „April 2009“ ist zu finden unter:

http://www.die-linke-zeitung.de/images/pdf-download/200904_dielinke_mg.pdf