Santanderlauf 2015 – Bedenken zum Datenschutz behoben, aber Teilnahmeverpflichtung seitens der Schulen weiter ungewiss

Am Sonntag, den 14. Juni 2015 findet wieder der mittlerweile traditionell-jährliche Santanderlauf – ein Spendenlauf für Schulen – in Mönchengladbach statt. 2014 sorgte der Santanderlauf bei den Medien für Interesse, da ein Familienvater auf dem politischen Blog „scharf-links“ kritisierte, dass die Schule seines Sohnes diesen in Form einer Pflichtveranstaltung gezwungen habe, indirekt durch das Tragen eines Santander-Shirts während des Laufes Werbung für das Unternehmen zu betreiben. Nach Auskunft der Schulverwaltung in Mönchengladbach wurde später noch im Zusammenhang eines Talkshowauftritts im öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm seitens des Familienvaters die Kritik erhoben, dass der Datenschutz während der Veranstaltung nicht eingehalten worden sei. Im Rahmen einer entsprechenden Anfrage meinerseits im Schul- und Bildungsausschuss am 27.05.2015 erklärte die Schulverwaltung, dass in Zusammenarbeit zwischen Santander, Schulträger und der städtischen Schulverwaltung alle rechtlichen Bedenken aus der Welt geschaffen worden seien.

Als 2014 wieder mal der Santanderlauf anstand, war nicht jeder Vater besonders glücklich darüber, dass der Nachwuchs seine Schule finanziell durch die Teilnahme an einem „Wohltätigkeits-Werbe-„lauf für eine spanische Bank unterstützen konnte. Die persönliche Entscheidung zwischen ‚etwas für die Schule tun‘ und ’sein Kind dafür zum Werbeinstrument zu machen‘ wurde nach Ansicht des Vaters dadurch genommen, dass die Schule den Santanderlauf als Pflichtveranstaltung erklärte. Seinen Ärger darüber verlieh er in Form eines (leider) sehr polemischen Artikels in dem links-politischen Blog „scharf-links“ Ausdruck und schoss damit weit über die durchaus gerechtfertigte Kritik hinaus, indem er die Bank generell hart anging, was seiner Meinung nach Firmenpolitik und gesellschaftliche Auswirkung anging.

Nachdem Santander von dem Artikel, welcher über Google leicht zu finden war, erfuhr, folgten auch prompt eine Schadensersatzforderung in Höhe von 1 800 Euro sowie die dazugehörige Unterlassungsverpflichtungserklärung. Darauf wurde die Süddeutsche Zeitung aufmerksam und berichtete am 07.07.2014 in dem Artikel „Grenzen der Meinungsfreiheit“ über den gesamten Vorfall. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Artikel des Vaters schon aus „scharf-links“ entfernt.

Dann begann der eigentliche „kleine“ Politikkrimi, denn auch wenn der Artikel selber in der Tat weit über die persönliche und sachliche Meinungsbildung hinaus ging so blieb jedoch die Kritik über eine von der Schule verhängten Pflichtteilnahme im Raum stehen und dies war und ist meiner Auffassung nach schon ein erheblicher Eingriff in das Entscheidungsrecht der Eltern. Da so eine Charity-Veranstaltung natürlich für die Schulen einen Vorteil darstellt und Unternehmen neben der indirekten Werbung auch eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrnehmen – aber auch um weiteren Schaden von dem Familienvater abzuwenden wollte ich hier kein medienwirksames Fass aufmachen. Wichtig war mir jedoch schon aufzuklären, was denn nun wirklich an dem Thema „Pflichtveranstaltung“ dran ist, von wem ggf. diese Anordnung ausgegangen ist (Schule oder Schulamt) und natürlich diesen Eingriff in das Entscheidungsrecht der Eltern zukünftig zu unterbinden.

Mehrere Anfragen an den Vater blieben unbeantwortet, er hielt es stattdessen wohl für sinnvoller an einer Fernsehtalkrunde teilzunehmen, zu dieser er dann seine Kritik um den Datenschutz erweitert haben soll, da der Name des Sohnes auf Informationstafeln während der Santanderlauf-Veranstaltung veröffentlicht worden sei. Umso unverständlicher wurde es dann, als eine von ihm beim Landesverband eingereichte Beschwerde an uns weitergeleitet worden war, weil wir uns als kommunale Partei nicht um die Thematik kümmern würden. In der Zwischenzeit hatte ich schon längst den Kontakt zur der betroffenen Schule aufgenommen.

Als jedoch auch seitens der Schule über mehrere Monate und mehreren telefonischen Anfragen keine Rückmeldung zu dem Vorwurf erfolgte, habe ich mich dann entschieden eine schriftliche Anfrage an die Verwaltung zu stellen. Die Anfrage wurde dann aber auch erst verbal beantwortet, als ich im Schul- und Bildungsausschuss selber nochmal nachgefragt habe. Grund für die verzögerte Beantwortung sei, dass mensch gar nicht so genau wüsste, was mensch dazu schreiben solle, da zum einen nur der Vorwurf über den Datenschutz bekannt sei und dieser nun behoben werden würde und zum Anderen auch der Schulträger hier eher im Thema stehen würde. Auf Nachfrage bestätigte die Schulverwaltung jedoch, dass ihr keine Kenntnis über die Anordnung von Pflichtveranstaltungen vorliegen würde und eine solche Anordnung auch nicht von der Verwaltung selber aus veranlasst worden sei.

Mit meiner Anfrage im Schul- und Bildungsausschuss am 27.05.2015, ob denn alle rechtlichen Bedenken, die noch 2014 bestanden, ausgeräumt seien, erklärte die Schulverwaltung, dass dies in Zusammenarbeit mit dem Schulträger nun der Fall sei. Somit ist der Punkt bezüglich des Datenschutz nun abschließend aus der Welt geräumt.

Offen bleibt aber weiterhin die Frage, ob Schulen in Mönchengladbach den Santanderlauf als Pflichtveranstaltungen erklären, damit möglichst viele SchülerInnen daran teilnehmen und somit mehr Geld in die leeren Kassen der Schulen gespült wird.

Es bleibt also weiter zu hoffen, dass auch der Punkt bezüglich eventueller Teilnahmeverpflichtungen geklärt und beseitigt werden kann, damit sich der Santanderlauf zu einem festen jährlichen Event etabliert, das den Laufsport in den Vordergrund stellt, dessen Erlöse weiter den Schulen zu Gute kommen und das sich auf Freiwilligkeit- und nicht auf Zwang stützt.

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